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Auswertung der Befragung der Träger der Jugendsozialarbeit in Potsdam
Alle Träger in der Stadt (einschließlich der 2003 eingemeindeten Orte), die Einrichtungen oder Dienste in diesem Bereich betreiben und eine städtische Förderung erhalten, wurden im Januar/Februar 2004 zu einigen quantitativen Aspekten ihrer Arbeit befragt. Die Daten der Träger sind in der Tabelle hier zusammengefasst. An dieser Stelle werden in kurzer Folge die Bewertung dieser Antworten, einige Überlegungen und Prognosen dargestellt werden, die sich aus dieser Zusammenschau ergeben. Bei einigen Antworten auf die gestellten Fragen wird deutlich, dass sich erst bei einer eventuellen Wiederholung wirkliche Bewertungen aus der Analyse von Trends ergeben. Die einmal erhobenen Daten sind für sich nur die Feststellung eines Ist-Standes.

Wir danken allen, die sich die Mühe gemacht haben, Ihre Daten in der speziellen Form aufzubereiten und sich an der Befragung beteiligt haben. Die Daten sind anonymisiert. Sie erlauben jedoch dem einzelnen im Vergleich mit dem von ihm gemachten Angaben einen direkten Vergleich. Auch dadurch wird eine neue Qualität in der Qualitätsbeforschung der Jugendarbeit in der Stadt Potsdam realisiert.

I
Befragt wurden insgesamt 29 Träger von Einrichtungen. Davon haben sich 69 % an der Befragung beteiligt und geantwortet. Daran sind das große Interesse und die Unterstützung für die Kampagne abzulesen.

Die antwortenden Einrichtungen erreichen in der Summe wöchentlich rund 4260 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Das entspricht einem Durchschnitt je Öffnungstag von 805, was gemessen an der Gesamtzahl der Potsdamer Kinder und Jugendlichen lediglich einer „Versorgungsquote“ von 4,83% entspricht.

Die Versorgungsquote wurde ermittelt, indem die Zahl der Kinder und Jungendlichen im Alter von 10 bis unter 21 Jahren (16.670 offizielle Angabe des Amtes für Statistik, Stand 31.12.03) durch die täglichen Besucher dividiert wurde.

II
Die Befragung ergab, dass ein Anteil von rund 41 % aller BesucherInnen der Einrichtungen ist weiblich. Dieser Anteil entspricht eher der klassischen Rollenverteilung. nach der Jungen sich eher im Außenbereich aufhalten. Eine andere Hypothese wäre, dass Mädchen sich stärker in Formen außerhalb der Angebote der Jugendarbeit, z.B. Musikschule, Tanzunterricht und anderen Angeboten bewegen. Es gibt in der Potsdamer Angebotstruktur aber auch Einrichtungen, die überwiegend oder ausschließlich von Mädchen besucht werden.

In den antwortenden Jugendeinrichtungen werden insgesamt 128 feste Gruppenangebote in der Woche gemacht. Das spiegelt die deutliche Nachfrage nach Formen des außerschulischen und sozialen Lernens wider. Es werden verbindlichere Formen als die eines offenen Treffpunktes von den Besuchern gewünscht und angeboten. Die Mitarbeiter der Einrichtungen werden diese Angebote auch deshalb machen, weil sie eine effektive und befriedigende Arbeitsaufgabe darstellen.

III
In der Befragung wurden auch die Einrichtungen auch zu Aktivitäten neben der Treffpunktarbeit und den Gruppenangeboten befragt. Hintergrund hierbei war, dass es zwischen den offenen angeboten und der den Hilfestrukturen der Jugendhilfe ein Kontinuum geben soll, damit ohne großen Aufwand kleinere Hilfeprozesse eingeleitet und realisiert werden können. Weiterhin wird so gewährleistet, dass die Hilfen niedrigschwellig realisiert werden, d.h. ohne Zugangsvoraussetzungen, Anträge oder Kostenübernahmen.

Neben den Gruppen- und Treffpunkt-Funktionen werden die Mitarbeiter der Einrichtungen von den Nutzern auch für Einzelkontakte in Anspruch genommen. Mit 421 Kontakten je Woche insgesamt ist etwa jeder 10. Kontakt zur Einrichtung ein Einzelkontakt. Es ist davon auszugehen, dass diese Form besonders von Kindern und Jugendliche in Anspruch genommen wird, die sich in einer Stresssituation befinden. Diese Form der Kontakte nähert sich sicherlich deutlich den Aktivitäten der Jugendhilfe mit den Formen der Hilfen zu Erziehung. Die MitarbeiterInnen leisten hier eine zeitintensive und wichtige Arbeit, weil sie den Kindern und Jugendlichen als Berater und Identifikationsfiguren zur Verfügung stehen.

Die Frage nach der Alterszusammensetzung der Besucher zeigt, dass die unter 10-jährigen erwartungsgemäß in den Angeboten eher unterrepräsentiert sind. Diese Altersgruppe hat noch nicht den Aktionsradius älterer Gruppen und ist durch die Angebote der Horte auch im Freizeitbereichrelativ gut versorgt. Am stärksten repräsentiert ist die Gruppe der 14 - 18-jährigen. Damit wird deutlich, dass die Einrichtungen insgesamt genau die relevante Zielgruppe erreichen und ein akzeptiertes Angebot darstellen. Lediglich in zwei Einrichtungen zeigt sich ein deutliches Übergewicht der über 18-jährigen. Diese Einrichtung muss sich neuen, jüngeren Zielgruppen zuwenden.

IV
Eine Frage weitere Frage befasste sich mit dem Gedanken, der über die eigentliche Zielgruppe hinaus reichenden Arbeit. Dazu zählen die Kontakte zu Eltern und Familien ebenso wie die innerhalb eines Netzwerkes im Kiez, Wohngebiet oder dem Planungsraum. Mit wöchentlich 411 Kontakten zu Multiplikatoren, Eltern und anderen Erwachsenen ist auch diese Aufgaben offensichtlich ein wesentliches Arbeitselement der Einrichtungen. Zu den Tätigkeiten in diesem Bereich zählen die Kooperationsarbeiten mit anderen Einrichtungen, Schulen u.ä., genauso wie die Zusammenarbeit mit den Elternhäusern. Wir deuten diese Zahl als ein Indiz für eine funktionierende Netzwerkarbeit in Potsdam.

V
Jugendsozialarbeit lebt von den tätigen Personen. In der Marketinglehre spricht man von personennahen Dienstleistungen. Das sind solche Dienstleistungen, die wesentlich durch die Person desjenigen geprägt sind, der sie erstellt. Es geht bei dieser Art der Einschätzung eher um die qualitativen Beschreibungen von Verhalten und Gestaltung von Beziehung. Solche qualitativen Beschreibungen waren jedoch nicht Inhalt der Befragung, die sich wesentlich auf quantitativen Fragen begrenzte. Haupt- und Ehrenamtliche Mitarbeiter sind in praktisch allen Einrichtungen tätig. Die Gewichtung ist unterschiedlich.

In den nächsten Fragen ging es um die Anzahl und den Beschäftigungsumfang der hauptamtlichen Mitarbeiter in den Einrichtungen. Es zeigt sich ein Durchschnitt von rund 3,7 Personen (Köpfe) je Einrichtung. Auffällig ist hier die breite Streuung von einem Mitarbeiter bis zu 11 Personen in der Einrichtung. Jede Einrichtung hat rund 130 Stunden Arbeitszeit der Mitarbeiter je Woche zur Verfügung. Das lässt die Ableitung zu, dass der durchschnittliche Mitarbeiter annähernd einen Beschäftigungsumfang von 35 Wochenstunden hat. Das entspricht einem Anteil von 88% eines Vollbeschäftigten.

Neben der Arbeit Hauptamtlicher mobilisieren die Einrichtungen einen nicht unerheblichen Teil an ehrenamtlicher Arbeit. Im Durchschnitt geben die Einrichtungen, die sich an der Befragung beteiligten, einen Umfang von etwas über 23 Stunden je Woche ehrenamtlicher Arbeit an. Wenn man diese Arbeit mit nur 5,- € bewertet, errechnet sich allein hieraus ein jährliche Wertschöpfung von 114.400,- €.

VI
Von großem Interesse in der öffentlichen Wahrnehmung und der Wahrnehmung der Politik sind die Kosten der sozialen Arbeit. Diese werden in der Regel als konsumtive Ausgaben gesehen, Zuwendungen an den Träger wurden früher im Verwaltungsrecht als „verlorene Zuschüsse“ bezeichnet. Solches Denken prägt gerade in Zeiten knappe Gelder in den öffentlichen Kassen die Stimmung.

Als bewusste Gegenposition dazu könnte man die Ausgaben in diesem Bereich als Investitionen ansehen. Also Ausgaben, die zwar im Moment teuer sind, vielleicht sogar aus Krediten bestritten werden müssen, die sich aber in der Zukunft amortisieren werden. Ähnlich wie der Bau von öffentliche Einrichtungen, Straßen, Investitionszuschüsse an Unternehmen.

Bei der Beantwortung der Frage nach den Kosten je Besuch/Kontakt haben von 20 antwortenden Einrichtungen 7 keine Angabe gemacht. Das könnte dahingehend gedeutet werden, dass die Bearbeiter über die entsprechenden Zahlen nicht verfügten oder dass diese Angaben nicht gemacht werden wollten, weil man diese Angaben nicht veröffentlichen wollte. Mit gemachten Angaben von 1,05 € bis 35,64 € haben die Angaben eine Spannbreite wie sonst bei keiner andern Frage. Die Angabe von 1,05 € erscheint im Kontext der anderen von dieser Einrichtungen gemachten Angaben unglaubwürdig. Wahrscheinlich ist hier ein Berechnungsfehler. Der Durchschnitt der Kosten je Besuch liegt bei 19,86 €; wenn man die beiden Ausreißer außer Betracht lässt, bei noch 17,23 €. Hier sehen wir, dass die Kosten für den Betrieb einer Jugendeinrichtung doch recht erheblich sind. Dennoch liegen diese Aufwendungen deutlich unter den Kosten für Leistungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung, wo die Kosten z.B. für flexible Hilfen mit 27,- bis 30,- € je Stunde beginnen.

Die abschließende Frage nach dem Anteil der eigenerwirtschafteten Mittel bringt einen Durchschnitt von gut 18%. Auch hier gibt es Ausreißer mit 0% bzw. 64%. Ohne diese ergibt sich ein Durchschnitt von 13%. Die Bearbeiter waren gehalten, hier realistische Angaben zu machen, d.h. Angaben aus der Buchhaltung bzw. den jeweiligen Wirtschaftsplanungen zu verwenden. Der Antrags- und Abrechnungsmodus mit dem Jugendamt erfordert hier noch eine andere Systematik, die zu anderen Ergebnissen führen würde.

VII
Selbstverständlich kostet Jugendsozialarbeit Geld. Der Nutzen jedoch, der durch sie erzeugt wird, lässt sich mit den Methoden der Betriebswirtschaft nicht ermitteln. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz handelt es sich aber um pflichtige Leistungen der landekreise un dkreisefreine Städte. Sie müssen also durchgeführt werden. Die Inhalte sind beschrieben, nur über Umfänge lässt sich streiten. Die Stadt bedient sich wesentlich freier Träger, um die Angebote zu realisieren Die Kostenersparnis ergibt sich, wenn man verschiede kostenrelevante Aspekte der Betreibung von Einrichtungen der Jugendarbeit betrachtet und diese in Relation zu den Betreibermodellen „öffentliche Trägerschaft“ bzw. „freie Trägerschaft“ setzt.

Im Einzelnen sind dies:
1. Ehrenamtliches Engagement
2. Eigenerwirtschaftete Mittel
3. Vergütungsstrukturen

Wie oben dargestellt, stehen den Trägern durch verschiedene Aktivitäten unentgeltliche Mitarbeiter zur Verfügung. Dies sind im Wesentlichen Jugendliche selbst, die Aufgaben innerhalb der Einrichtungen übernehmen, z.B. Reinigungsaufgaben, Thekendienste, Reparaturaufgaben. Zweitens sind es ehrenamtliche Vorstandsmitglieder, die die Vereine leiten und so, oft mit erheblichem persönlichen Risiko und Zeitaufwand, die Jugendarbeit der Stadt möglich machen.

Die Träger und Einrichtungen erwirtschaften Eigenmittel in nicht unerheblichen Größen. Die Auswertung der Befragung ergab einen durchschnittlichen Satz von 18%. Die Herkunft der Mittel wurde nicht erfragt. Es dürfte sich aber um Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder, Teilnehmerbeiträge, Spenden u.ä. handeln. Setzt man 18% der städtischen Gesamtforderung von 3,4 Mio. € an, so bringen die Träger auf diese Weise einen Beitrag von 612.000,00 €.

Einen weiteren Einspareffekt erreicht die Kommune dadurch, dass sie die Träger veranlasst, zwar analog BAT zu vergüten, jedoch nach der sogenannten Bund-/Länder-Tabelle. Ihre eigenen Mitarbeiter muss sie jedoch nach der Kommunal-Tabelle bezahlen. Der Unterschied liegt bei rund 7,7% der Gehälter. Wenn man annimmt, dass von der städtischen Förderung etwa 80% für Personal aufgewendet wird, sind das 2,72 Mio. €. Ein Anteil von 7,7% dieser Summe beträgt 209.500,00 €.

Kostenersparnis aus
1. ehrenamtlichem Engagement 114.400,00 €.
2. Eigenmitteln der Träger 612.000,00 €
3. Vergütungsstruktur 209.500,00 €
  935.900,00 €


Dies ist der Betrag, den die Stadt bei eigener Betreibung der Angebote der Jugendsozialarbeit mehr aufwenden müsste. Anders gesagt hat die Stadt, indem sie sich der Träger bedient, einen Mehrwert von 935.900,- €.

Hierbei sind eine Vielzahl von Leistungen, die sich einer Bewertung entziehen (z.B. Geschenke, unbare Leistungen, andere Preisgestaltung von Lieferanten) nicht berücksichtigt und würden diesen Betrag nochmals steigern.

VIII
Alle bisher gewürdigten Fragen waren rein quantitativer Natur. Es wurden keine Qualitäten abgefragt. Auf diese konnte nur durch die Auswertung und Deutung geschlossen werden. Eine Reihe von Daten werden sicher erst bei vergleichbaren Folgebefragungen wirklich wertvolle Entwicklungslinien aufzeigen.

Die im Fragebogen abschließend gestellte Frage war die nach den Wünschen der MitarbeiterInnen der Einrichtungen. Bewusst wurde die Frage so gestellt, dass auch scheinbar utopische Antworten möglich gewesen sind. Nachfolgend sehen Sie die Liste der Antworten. Diese wurde in der Auswertung der einzelnen Rückmeldungen sprachlich geglättet und sortiert, so dass inhaltlich identische Wünsche auch als Gruppe zusammen erscheinen.

Die so entstandene Liste soll für sich selbst sprechen. Sie bedarf eigentlich keiner weiteren Kommentierung.

- 3. Stelle
- andere Räume
- Anerkennung als Jugendarbeit
- Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt
- Ausbildungsplätze
- Berücksichtigung der Interessen von Kindern in der Politik
- Budgetierung des Geldes
- Ein Haus mit vielen Räumen
- Einhaltung der Standards
- Erhaltung der bestehenden Angebote
- feste Personalstelle
- feste Personalstelle
- Feste Personalstellen
- Feste Personalstellen (3)
- Feste Personalstellen (3)
- Feste Stelle für Mitarbeiterin
- Fünfjahresplan
- Gesellschaftliche Akzeptanz der Arbeit
- gesicherte Arbeitsverhältnisse
- Gesicherte Zuwendungen
- Großes Außengelände
- Hausmeister
- Investitionsmittel für Ersatzbeschaffung
- Kein jährliches Bangen um Stellen
- Kontinuität der Jugendpolitik
- Mehr Akzeptanz für geschlechtsspezifische Arbeit
- Mehr ausbildungsbereite Unternehmen
- mehr ehrenamtliches Engagement
- Optimale Räumlichkeiten
- Planetariumsprojektor, Allsky, Beamer
- Planungssicherheit
- Planungssicherheit
- Planungssicherheit
- Planungssicherheit (3 Jahre)
- Politische Mitbestimmung
- Projektgelder erhöhen
- Qualitätssicherung
- Qualitätssicherung
- Qualitätssicherung
- Renovierung, behindertengerecht, Feuersicherheit
- Sockelfinanzierung
- Tarifliche Bezahlung
- Transparenz in allen Belangen
- Umbau des Au0enbereichs, Einzäunung
- Vereinfachung der bürokratischen Hürden
- Verwaltungsmitarbeiter in der Einrichtung
- viel Geld für Personalstellen
- Weg von öff. Förderung
- Westgehalt
- Ausbildungsplätze, ganz viele betriebliche
- Räume, zweckmäßige
- Keine Wünsche
- Erkenntnis für Politiker u.a.:“ Kinder sind Zukunft“
- Goldesel
- Optimismus, denn „Wunder werden wahr.“

Mit diesem Beitrag endet die Auswertung der Befragung in den Einrichtungen der Jugendsozialarbeit. Wir hoffen, Sie konnten aus dieser einige wertvolle Anregungen entnehmen. Vielleicht war manches unterhaltsam. Sicher ist einiges streitbar. Vielleicht regt Sie manches zum Weiterdenken an. Erfreut wären wir über Rückmeldungen, gerade über die kritischen.
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