KAMPAGNE "WIR WOLLEN NUR EINS" GEGEN DROHENDE EINSCHNITTE BEI JUGENDSOZIALARBEIT - Presseartikel der MAZ vom 10.02.2004
Der Stadtjugendring kündigt weitere Aktionen gegen drohende Einbrüche in der Jugendsozialarbeit an. Mit einer Kampagne "Wir wollen nur eins" will man erreichen, dass die Stadt ein Prozent ihrer Ausgaben für die Jugendsozialarbeit festschreibt. Das sagte gestern der Chef des Stadtjugendringes, Dirk Harder. Der Einprozentwert entspricht nach seinen Angaben einer Empfehlung des Bundesjugendministeriums. Der absolute Betrag, 3,4 Millionen Euro, sei bereits im vergangenen Jahr von den Stadtverordneten mit dem überarbeiteten Jugendförderplan beschlossen, von der Verwaltung mit Verweis auf die Haushaltslage jedoch nicht umgesetzt worden. Für 2004 zeichne sich eine weitere Absenkung der Zuschüsse um mindestens 2,5 Prozent ab. Harder warnt vor einem sich beschleunigenden Wegfall von Zuschüssen, der nach seinen Berechnungen bereits zum Jahreswechsel 2005/06 in ein Desaster führen könne. "Wenn wir erst darüber reden, wenn die ersten fünf Clubs geschlossen sind, ist es zu spät", so Harder gestern.
Dramatik bahnte sich schon im vergangenen Jahr mit der Aufkündigung des 610-Stellenprogramms durch das Land an, aus dem allein in Potsdam 36 von insgesamt rund 100 Stellen der Jugendsozialarbeit gefördert werden. Erst nach massiven Protesten verkündete das Land im Herbst zum Jugendaktionstag in Potsdam eine Weiterführung des Programms zu den bisherigen Konditionen. Anderenfalls wäre es laut Harder bereits zum Jahreswechsel 2003/2004 zu drastischen Einbrüchen im Personalbereich gekommen.
Statt des Erdrutsches bröckelt es nun an verschiedensten Stellen. So würden zum 31. Juli drei Schulsozialarbeiterstellen an Luxemburg-, Curie- und Coubertinschule wegfallen, die bis dahin über Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM) von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden und danach über den von der Verwaltung verworfenen Jugendförderplan von der Stadt bezahlt werden sollten. Mitte April drohe das Aus des Abenteuerspielplatzes "Blauer Daumen", weil dann die SAM-Förderung der beiden Betreuer ausläuft. Der Spielplatz mit Möglichkeiten für handwerkliche Betätigung war einst mit erheblicher Förderung etwa von der Stiftung Großes Waisenhaus aufgebaut worden. Aufgegeben ist laut Harder bereits das zum Jugendboot umgebaute Schiff der Wasserschutzpolizei, das vom Club 91 betreut wurde, verloren eine Beraterstelle beim Verein Chill Out, gestrichen die Förderung der Jugendgästehäuser "Siebenschläfer" und "Hochland". Derzeit sei der Stadtjugendring dabei, Bestand und Bedarf der Jugendsozialarbeit zu ermitteln. Die Ergebnisse sollen Anfang März unter www.wirwollennureins.com ins Internet gestellt werden.
Für das Frühjahr sind laut Harder mehrere Aktionen geplant, die einen neuen jugendpolitischen Vorstoß in der Stadtverordnetenversammlung begleiten sollen. V.O.
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